Burg Kakesbeck: Mittelalterliche Wasserburg mit fünf Vorburgen
Lüdinghausen, Kreis Coesfeld
Auf einen Blick
Lage
Geschichte
Besitzergeschichte
Nach Angaben des Staatsarchivdirektors Prof. Dr. Kohl wurde Kakesbeck um 800 durch den fränkischen Ritterkolonisten Kahr gegründet. Nach etwa 50 Jahren gelangte die Burg in die Hand der Reichsabtei Werden an der Ruhr und von dort an die Grafen von Tecklenburg-Dahle.
Um 1400 ging Kakesbeck durch Heirat an die Herren von Oer. Zwei bedeutende Persönlichkeiten dieser Familie lebten auf der Burg: Lambert von Oer, der die Burg errichtete und 1488 die gotische Kapelle erbaute, sowie sein Sohn Bernd von Oer, der nach dem Wiedertäuferkrieg bischöflicher Stadtkommandant in Münster wurde.
Über die Erbtochter kam Kakesbeck 1680 in den Besitz der Herren von der Recke. 1790 kauften die Grafen von Droste zu Vischering zu Darfeld die Burg nebst den 80 Kakesbeck hörigen Höfen. Die Familie von Droste zu Vischering verkaufte die Burg später an die landeseigene Siedlungsgesellschaft.
1971 erwarben die Eheleute Dr. Wilfried und Hildegard Grewing die Burg und bemühen sich seitdem um deren Erhaltung für die Nachwelt. Die Anlage soll in eine Stiftung eingebracht werden.
Lambert von Oer und das eiserne Halsband
Die wohl bekannteste Geschichte rund um Burg Kakesbeck betrifft Lambert von Oer. Im Jahr 1520 wurde der achtzigjährige Lambert von Goddert Harmen auf offener Straße überfallen. Ohne vorherige Fehdeansage misshandelte Goddert den Burgherrn und legte ihm ein innen mit Dornen versehenes Eisenhalsband um.
Das Halsband verfügte über einen Mechanismus, der eine Öffnung ohne Gefahr für das Leben des Trägers unmöglich machte. Erst dem Schmied Meister Tile in Münster gelang es, Lambert mit drei Hammerschlägen, die er im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ausführte, von dem Halsband zu befreien.
Die daraus resultierende Fehde zog sich bis 1528 hin und betraf das gesamte Stift Münster. Lamberts Sohn Bernd führte die Fehde nach dem Tod seines Vaters 1522 fort und eroberte schließlich Haus Ichterloh.
Baugeschichte
Die Burg wurde intensiv wissenschaftlich erforscht. Bei archäologischen Untersuchungen wurden 6.000 Funde gemacht, von denen ein Drittel meisterhaft restauriert wurde. Es existieren römische Funde aus der Zeit um 50 nach Christus.
Die Burg Kakesbeck ist achsial angelegt und hatte fünf Vorburgen mit einem Durchmesser von einem Kilometer. In Not- und Kriegszeiten konnten die Bauernschaften Elvert und Bechtrup mit ihrem Vieh hier Unterschlupf finden. Die Anlage verfügte über mehr als 30.000 Kubikmeter Gräften und Wassergräben.
Haupthaus
Der älteste Teil des Haupthauses geht auf die Zeit um 1250 zurück. Sein Ursprung war ein steinerner Burgturm. Das Herrenhaus wurde 1602 wesentlich erweitert für Bernhard von Oer und seine Ehefrau Margaretha Quadt von Wickrath.
Weitere Gebäude
Südlich des Haupthauses befindet sich das Bauhaus aus dem 15. Jahrhundert. Das gotische Torhaus stammt aus der Zeit vor 1500 und diente einst als Refugium des Burgkaplans. Die Kortegarre (Wachthaus) von 1542 ist ein zweistöckiger Rechteckbau mit Schießscharten. Die Kornmühle stammt aus der Zeit um 1350, die Ölmühle von 1496.
Kapelle
Die gotische Kapelle wurde 1868 abgetragen und von den jetzigen Eigentümern wieder aufgebaut. Sie soll zukünftig ökumenisch genutzt werden. Zwei junge Kunstmaler haben die Wände mit fast 40 Porträts von Vorbildfiguren wie Kardinal von Galen, Martin Luther King und Papst Johannes Paul II. versehen.
Weiterführende Informationen
- Burg Vischering – Stammsitz der Familie Droste zu Vischering
- Weitere Literaturhinweise
Fotos
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