Schloss Cappenberg: Vom Kloster zum Kulturzentrum
Selm-Cappenberg, Kreis Unna
Auf einen Blick
Lage
Geschichte
Gründung als Höhenburg
Im 11. Jahrhundert errichteten die Grafen von Cappenberg auf einer markanten Anhöhe über der Lippe eine mächtige Höhenburg. Die Grafen zählten zu den einflussreichsten Dynastien Westfalens und kontrollierten ein ausgedehntes Territorium zwischen Münster und Dortmund. Graf Gottfried von Cappenberg galt als einer der mächtigsten Herren der Region, dessen Besitzungen sich über weite Teile des heutigen Münsterlandes erstreckten.
Die strategische Lage auf dem Höhenrücken bot hervorragende Sichtverbindungen in das Lippetal und machte die Burg zu einem bedeutenden Herrschaftsmittelpunkt. Die Cappenberger waren Parteigänger Kaiser Heinrichs V. und spielten in den Auseinandersetzungen des Investiturstreits eine aktive Rolle.
Klostergründung 1122
Im Jahr 1122 vollzogen Graf Gottfried II. von Cappenberg und sein Bruder Otto einen in der Geschichte des westfälischen Adels beispiellosen Schritt: Sie stifteten ihren gesamten Besitz — Burgen, Ländereien und Herrschaftsrechte — dem Prämonstratenserorden, der erst kurz zuvor von Norbert von Xanten gegründet worden war. Cappenberg wurde damit zum ersten Prämonstratenserkloster in Westfalen.
Die Schenkung löste im Adel Empörung aus. Gottfrieds Schwiegervater, Graf Friedrich von Arnsberg, sah das Erbe seiner Tochter bedroht und zerstörte die nahe gelegene Burg Münster in einem Racheakt. Gottfried selbst trat als Mönch in das von ihm gestiftete Kloster ein und starb 1127. Er wurde später seliggesprochen. Sein Bruder Otto ging als Propst nach Cappenberg und wirkte dort bis zu seinem Tod 1171.
Der Barbarossa-Kopf
Gottfried von Cappenberg stand in enger Verbindung zum Stauferhaus: Er war Taufpate des späteren Kaisers Friedrich I. Barbarossa. Aus Anlass der Taufe (vermutlich um 1122) schenkte Barbarossas Familie dem Kloster ein vergoldetes Kopfreliquiar, das als „Cappenberger Barbarossa-Kopf" in die Kunstgeschichte eingegangen ist.
Dieses um 1160 entstandene Werk zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Goldschmiedearbeiten nördlich der Alpen. Der idealisierte Herrscherkopf aus vergoldetem Kupfer diente als Reliquiar für den Heiligen Johannes den Evangelisten. Ob es sich tatsächlich um ein Porträt Barbarossas handelt, ist in der Forschung umstritten. Das Original befindet sich heute in der Stiftskirche und kann dort besichtigt werden.
Säkularisation und Freiherr vom Stein
Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1803 aufgehoben und fiel zunächst an Preußen. Die Klostergebäude und Ländereien wurden als Staatsdomäne verwaltet. 1816 erwarb der preußische Staatsmann Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757–1831) Schloss Cappenberg als Alterssitz.
Freiherr vom Stein, der die preußischen Reformen von 1807/08 maßgeblich gestaltet und die Bauernbefreiung, die Städteordnung sowie die Neuorganisation der Staatsverwaltung durchgesetzt hatte, verbrachte seine letzten Lebensjahre auf Cappenberg. Hier widmete er sich historischen Studien und initiierte die „Monumenta Germaniae Historica", das bis heute wichtigste Editionsunternehmen mittelalterlicher Quellen. Stein starb am 29. Juni 1831 auf Schloss Cappenberg und wurde in der Stiftskirche beigesetzt.
Baugeschichte
Von der romanischen Klosterkirche des 12. Jahrhunderts ist das dreischiffige Langhaus mit seinem eindrucksvollen Kreuzgratgewölbe erhalten. Der Chor wurde im 13. Jahrhundert gotisch erneuert. Die Stiftskirche birgt neben dem Barbarossa-Kopf weitere bedeutende Ausstattungsstücke, darunter ein romanisches Triumphkreuz und spätgotische Chorgestühle.
Die barocken Konventsgebäude, die das heutige Erscheinungsbild des Schlosses bestimmen, entstanden im 18. Jahrhundert. Die symmetrische Dreiflügelanlage mit dem repräsentativen Mittelbau wurde nach Plänen des Barockarchitekten Johann Conrad Schlaun begonnen und von seinen Nachfolgern vollendet. Der Kreis Unna nutzt die Schlossräume seit den 1980er Jahren als Kulturzentrum für Ausstellungen und Veranstaltungen.
Weiterführende Informationen
- Haus Heeren – Adelssitz im Kreis Unna
- Köln Sehenswürdigkeiten – Historische Bauwerke und Wahrzeichen der Rheinmetropole
- Weitere Literaturhinweise
Fotos
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Haus Heeren
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