Schloss Corvey: Karolingisches Welterbe an der Weser

Höxter-Corvey, Kreis Höxter

Auf einen Blick

Adresse

Schloss Corvey
Corvey 9
37671 Höxter-Corvey
Kreis Höxter

Besichtigung

Westwerk: UNESCO-Welterbe, zugänglich.
Bibliothek: Im Rahmen von Führungen.
Abteikirche: Im Eigentum der Kirchengemeinde

Lage

Geschichte

Klostergründung

Im Jahr 815 gründete König Ludwig der Fromme auf Veranlassung seines Vaters Karl des Großen eine von Corbie an der Somme in Nordfrankreich abhängige Propstei in Hethis auf dem Solling. Sie wurde von Benediktinermönchen aus Corbie bezogen.

822 wurde das Kloster wegen der ungünstigen Lage an die heutige Stelle, in der Nähe des fränkischen Königshofes Huxori (Höxter), verlegt. Kaiser Ludwig der Fromme verlieh dem Kloster Immunität und stellte es als Reichsabtei unter seinen Schutz. 823 wurde die Neugründung auf dem Reichstag in Paderborn bestätigt, 826 wurde das Kloster selbstständig.

836 wurden die Reliquien des Heiligen Vitus aus der Grabeskirche der französischen Könige in St. Denis bei Paris nach Corvey überführt. Aufgrund dieser Reliquien wurde Corvey zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.

Bedeutung im Mittelalter

Corvey gilt als eine der ältesten und bedeutendsten Klosterstiftungen Deutschlands. Kaiser und Könige, Fürsten und Edelherren entsendeten ihre Söhne zur Erziehung nach Corvey. Der Heilige Ansgar wurde 823 als Lehrer und Prediger hierher entsandt und wurde später der erste Bischof von Hamburg-Bremen.

Zahlreiche Bischöfe gingen aus Corvey hervor, darunter auch Bruno, der als Gregor V. den päpstlichen Stuhl bestieg. Die Besitzungen Corveys dehnten sich aufgrund edler Freigebigkeit über den ganzen Norden Deutschlands aus, einschließlich der Insel Rügen, die 844 durch eine Schenkung Kaiser Lothars I. an das Stift kam.

1220 erfolgte die Erhebung Corveys zur Fürstäbtei. Die Äbte trugen seitdem den Fürstentitel.

Vom Kloster zum Schloss

Nach dem Dreißigjährigen Krieg, in dem Corvey von allen streitenden Parteien eingenommen und gebrandschatzt wurde, rettete der Münstersche Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen das Kloster, indem er sich 1667 selbst als Administrator einsetzte und den barocken Wiederaufbau begründete.

1783 wurde Corvey durch Papst Pius VI. zu einem reichsfürstlichen Bistum erhoben. Nach der Säkularisation 1803 ging das ehemalige Bistum an das fürstliche Haus Nassau-Oranien. 1820 gelangte Corvey an den Landgrafen Viktor Amadeus von Hessen-Rotenburg, der zwischen 1825 und 1833 seine Hofbibliothek aus Rotenburg an der Fulda nach Corvey verlegte.

1834 erbte der Erbprinz Viktor I. von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst das Anwesen. 1840 wurde ihm durch König Friedrich Wilhelm IV. der Titel eines „Herzogs von Ratibor und Fürsten von Corvey" verliehen.

Hoffmann von Fallersleben

Herzog Viktor I. holte 1860 den Germanisten August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) nach Corvey, der den damaligen Bestand der Bibliothek als Bibliothekar auf mehr als 70.000 Bände nahezu verdoppelte. Noch heute beherbergt Corvey mit seinen ca. 74.000 Bänden eine der größten Privatbibliotheken Deutschlands. Hoffmann von Fallersleben ist auf dem Friedhof in Corvey begraben.

Das Fürstliche Haus Ratibor und Corvey ist bis heute Eigentümer von Schloss Corvey geblieben. Derzeitiger Eigentümer ist der österreichische Staatsbürger Franz-Albrecht Metternich-Sandor Fürst von Corvey. Die Abteikirche befindet sich im Eigentum der katholischen Kirchengemeinde.

Baugeschichte

830 wurde mit dem Bau der Klosterkirche begonnen, die 844 geweiht wurde. Es ist eine schmale dreischiffige Basilika mit Querschiff und Umgangsapsis.

Das Westwerk

Von 873 bis 885 wurde das quadratische Westwerk mit Turmgebäude und zweigeschossigem Johannischor nach dem Vorbild der Aachener Pfalzkapelle an die Klosterkirche angebaut. Es gilt als eines der bedeutendsten Baudenkmäler auf deutschem Boden. Unter Abt Wibald von Stablo (1146-1158) wurde das Westwerk zu einer Zweiturmanlage ausgebaut.

Barocker Neubau

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster zerstört, nur das Westwerk blieb erhalten. 1665 wurde die baufällige Klosterkirche abgebrochen. Ab 1667 wurde Corvey barock in seiner heutigen Form wieder aufgebaut. In etwa 20 Jahren entstand auf der Nordseite der Kirche eine dreigeschossige Vierflügelanlage mit zwei Innenhöfen.

Von 1710 an wurden auch das Vorwerk und die Wirtschaftsgebäude wieder aufgebaut. Das Teehaus im Park wurde 1741 fertiggestellt. Die Westfront des Schlosses hat eine Länge von 112 Metern.

Weiterführende Informationen

  • Duncker, Alexander: Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie, 16 Bände, Berlin 1857-1883
  • Schloss Vinsebeck – Barockes Wasserschloss im Kreis Höxter
  • Köln Sehenswürdigkeiten – Historische Bauwerke und Wahrzeichen der Rheinmetropole
  • Weitere Literaturhinweise

Weitere Adelssitze im Kreis Höxter