Schloss Herdringen: Neugotisches Jagdschloss der Familie von Fürstenberg
Arnsberg-Herdringen, Hochsauerlandkreis
Auf einen Blick
Lage
Geschichte
Besitzergeschichte
Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Rittergut Herdringen 1376 und die Kettelburg in Herdringen 1378. Letztere gilt als der Stammsitz der Herren von Ketteler. Die Familie von Ketteler ist ein weit verzweigtes Geschlecht, aus dem auch Freiherren und Grafen hervorgegangen sind. Die Familie wurde bereits im 11. Jahrhundert urkundlich als erste und angesehenste Vasallen der Grafen von Arnsberg erwähnt.
Nachdem 1501 Cord von Ketteler kinderlos verstarb, erbte Elisabeth von Kettler-Herdingen. Sie brachte die Anlage 1543 in die Ehe mit Johann von Hanxleden ein. Nach seinem Tod 1587 fällt Herdringen an die Kinder seiner Schwester Agnes von Westrem.
1618 erwarb der Paderborner Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg das Gut Herdringen. Er übertrug Herdringen an seinen Neffen Friedrich von Fürstenberg, dem Inhaber des fürstenbergschen Fideikommisses.
Bis 1945 bewohnte die Familie von Fürstenberg das Schloss, das schließlich durch die Besatzungsmächte beschlagnahmt wurde. Von 1947 bis 1968 wurde das Schloss an den Diözesan-Caritasverband Paderborn vermietet. Ab 1968 bis 1998 wurde Schloss Herdringen als privates Aufbaugymnasium mit Internat benutzt. Seit 1998 befindet sich das Schloss in den Händen von Wennemar Freiherr von Fürstenberg.
Baugeschichte
Durch Kaiserliches Patent vom 26. April 1660 wurde die Familie von Fürstenberg in den Reichsfreiherrenstand erhobenen. Dadurch sah sich Ferdinand von Fürstenberg veranlasst, einen neuen großzügigen Schlossbau durch Ambrosius von Oelde planen zu lassen. Zur Ausführung gelangte lediglich die dreiflügelige Vorburg, die noch heute erhalten ist, sowie das Gartenhaus (Lusthaus von 1686).
1680 wurde mit dem Bau des Westflügels begonnen, der das Reithaus und den Reitstall beherbergt. 1713 wurde der Mitteltrakt fertiggestellt. Das Portal an der Straßenfront ist von Rustikabändern eingefasst. Im Dreiecksgiebel befindet sich das von Löwen gehaltene fürstenbergsche Wappen. Schließlich wurde der Ostflügel der Vorburg 1723 fertiggestellt.
Nachdem Freiherr Franz Egon von Fürstenberg 1843 vom preußischen König und späteren deutschen Kaiser Wilhelm I. in den Grafenstand erhoben worden ist, wurde von 1844 bis 1853 nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner ein neues Herrenhaus errichtet. 1853 wurde das alte Herrenhaus abgerissen.
Der heute erhaltene Neubau ist eine fast quadratische, einen ca. 240 m² umschließenden Innenhof, neugotische Vierflügelanlage nach englischem Vorbild. Als Baumaterial wurden schwere Sandsteinquader verwendet. An der Ostfront befinden sich zwei quadratische Ecktürme. In der Südwestecke befindet sich zudem ein Rundturm.
Der in der Südwestecke gelegene Rundturm wurde aufgrund von Kriegsschäden im Zweiten Weltkrieg um zwei Etagen verringert. 1902 wurde die Raumverteilung wesentlich umgestaltet. Seit 1998 sind umfassende Renovierungsmaßnahmen vorgenommen worden.
Sonstiges
Die bekannteste Persönlichkeit, die auf Herdingen geboren worden ist, ist der 1729 geborene Staatsminister des Fürstentums Münster und Gründer der Westfälischen Landesuniversität Münster Franz von Fürstenberg.
1853 besuchte der preußische König Friedrich Wilhelm IV., in dessen Gefolge sich auch Bismarck befand, das Schloss Herdringen.
Zwei Edgar-Wallace-Filme, nämlich "Der schwarze Abt" und "Der Fälscher von London", wurden in dem Schloss gedreht.
Weiterführende Informationen
- Duncker, Alexander: Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie, 16 Bände, Berlin 1857–1883
- Weitere Literaturhinweise
Fotos
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