Haus Nehlen: Zweiinselanlage der Familie von Plettenberg

Welver-Berwicke, Kreis Soest

Auf einen Blick

Adresse

Haus Nehlen
Haus Nehlen 1
59514 Welver-Berwicke
Kreis Soest

Besichtigung

Außen: Bedingt von der Straße möglich.
Vorburg: Nach Absprache mit Bewohnern.
Hauptburg: Bewohnt, nicht zugänglich.

Lage

Geschichte

Besitzergeschichte

Erstmalig wurde Nehlen 1268 urkundlich erwähnt. Haus Nehlen war der östlichste Sitz der Dinkerschen Grafschaft. Wahrscheinlich wurde Nehlen ursprünglich zum Schutz der nördlichen Grenze der Grafschaft Rüdenberg und damit des Erzbistums Köln gebaut.

Das Gut befand sich zunächst in den Händen der Herren von Nehlen (Neylen), die 1388 ausstarben. Seitdem befand sich Nehlen in den Händen der aus der Hovestädter Linie hervorgegangenen Familie von Plettenberg.

1679 erlosch mit Georg Kasper von Plettenberg die Nehlener Linie derer von Plettenberg im Mannesstamm, nachdem zahlreiche männliche Nachkommen dem Deutschen Ritterorden und geistlichen Stiften beigetreten waren. Die Witwe konnte den verschuldeten Besitz nicht halten und verkaufte Haus Nehlen 1681 an den angeheirateten Schwager, Freiherr Franz Wilhelm von Boeselager, Herr auf Canarienhaus bei Jever in Ostfriesland.

Die Familie von Boeselager verlegte 1754 ihren Hauptsitz auf Schloss Höllinghofen, sodass Haus Nehlen seitdem durch Verwalter und Pächter bewirtschaftet wurde.

1977 veräußerte die Familie von Boeselager ihren ehemaligen Stammsitz an den Landwirt Hermann Kamann aus Mülheim an der Ruhr. Das damals bestehende Pachtverhältnis zur Familie Esser wurde nicht berührt. Seit 1986 ist der Pächter Christoph Esser. Jetziger Eigentümer ist der Landwirt Karl Wilhelm Kamann.

Baugeschichte

Haus Nehlen ist auf zwei Inseln gelegen, nämlich der Vorburg sowie der Hauptburg.

Herrenhaus

1631 ließ der Dompropst zu Münster und Paderborn Dietrich von Plettenberg das heute noch erhaltene Herrenhaus für seinen Neffen Wolter Heinrich von Plettenberg errichten. Baumeister war der aus Dortmund stammende Steinhauermeister Dietrich Gerlinckhaus.

Das zweigeschossige Herrenhaus wurde auf einem hohen Kellergeschoss errichtet. Dieses rechteckige Gebäude ist mit einem hohen Walmdach versehen. In der Mitte des Hauptportals befindet sich ein dreigeschossiger, einachsiger Treppenturm, der erst nachträglich angegliedert wurde. Er ist mit einer welschen Haube versehen. Das mit einer Wappentafel versehene Portal des Treppenturms ist reich geschmückt und trägt die beiden Wappen der Eltern des Bauherrn.

Weitere Bauteile

An der Nordostseite befindet sich ein ebenfalls dreigeschossiger, später angegliederter, zweiachsiger Eckpavillon. Bis zu einem Brand war er mit einer welschen Haube versehen; danach erhielt er ein einfaches Zeltdach.

An der nördlichen Schmalseite im Erdgeschoss befindet sich ein auf Kopfkonsolen vorspringender Erker mit zweifach gekoppelten Fenstern, unter denen insgesamt vier Familienwappen angebracht sind.

Innenausstattung

Interessant ist die bis heute unverändert gebliebene Innenraumaufteilung. Exakt in der Mitte des Erdgeschosses verläuft eine Trennwand zwischen dem Wohntrakt und dem Wirtschaftstrakt. Vom Treppenturm sind diese beiden Trakte durch getrennte Eingänge zu erreichen. Im rechten Trakt befanden sich die herrschaftlichen Räume, im linken die Wirtschafts- und Wohnräume des Gesindes.

Im Obergeschoss befindet sich ein die ganze Wandhöhe ausfüllender Kamin aus dem Jahre 1679, den Johann Mauritz Gröninger aus Münster errichtet hat.

Vorburg und spätere Änderungen

Die Gebäude der Vorburg sind relativ schmucklos. Es handelt sich um Fachwerkgebäude aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts.

1965 wurde Haus Nehlen umfassend renoviert, um es wieder bewohnbar zu machen. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurden die Geschosshöhen teilweise reduziert. Entsprechend der vorhandenen Raumaufteilung entstanden zwei Wohnungen im Herrenhaus. Weitere Renovierungsarbeiten folgten in den 90er Jahren.

Weiterführende Informationen

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