Nürnberg Sehenswürdigkeiten: Burgen, Kirchen und mittelalterliche Baukunst

Frankenmetropole mit tausendjähriger Baugeschichte

Die Sehenswürdigkeiten Nürnbergs dokumentieren eine über tausend Jahre alte Bau- und Kulturgeschichte. Erstmals 1050 urkundlich erwähnt, stieg die Stadt an der Pegnitz im Spätmittelalter zu einer der bedeutendsten Reichsstädte des Heiligen Römischen Reiches auf. Die Kaiserburg, gotische Kirchen von europäischem Rang und eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Altstädte Deutschlands machen Nürnberg zu einem herausragenden Ziel für architekturgeschichtlich Interessierte.

Obwohl die Stadt im Zweiten Weltkrieg zu über 90 Prozent zerstört wurde, gelang ein behutsamer Wiederaufbau, der die historische Stadtstruktur weitgehend bewahrte. Die nachfolgende Übersicht stellt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Nürnbergs mit Schwerpunkt auf Architektur und Baugeschichte vor.

Die Kaiserburg: Wahrzeichen und Machtzentrum

Die Nürnberger Kaiserburg thront auf einem Sandsteinfelsen über der Altstadt und zählt zu den bedeutendsten Kaiserpfalzen des Mittelalters. Die Anlage gliedert sich in drei Teile: die Kaiserburg im Westen, die Burggrafenburg in der Mitte und die Reichsstädtische Bauten im Osten.

Die ältesten Bauteile stammen aus der Zeit der Salier (11. Jahrhundert). Unter den Staufern wurde die Burg ab 1140 zur Kaiserpfalz ausgebaut. Der Sinwellturm, ein runder Bergfried von 26 Metern Höhe, und die romanische Doppelkapelle mit ihrer oberen und unteren Ebene gehören zu den bedeutendsten erhaltenen Bauteilen dieser Epoche. Die Doppelkapelle — mit einem Kaisergeschoss und einem Geschoss für das Gefolge — gilt als herausragendes Beispiel staufischer Sakralarchitektur.

Von 1050 bis 1571 hielten alle Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zumindest zeitweise Hof auf der Nürnberger Burg. Kaiser Karl IV. bestimmte in der Goldenen Bulle von 1356, dass jeder neu gewählte König seinen ersten Reichstag in Nürnberg abhalten müsse. Die Reichskleinodien — Krone, Reichsapfel und Zepter — wurden von 1424 bis 1796 in Nürnberg aufbewahrt.

Gotische Kirchen und Sakralbauten

St. Lorenz

Die Lorenzkirche südlich der Pegnitz ist einer der bedeutendsten gotischen Kirchenbauten Frankens. Der Bau des Langhauses begann um 1260, der Hallenchor wurde zwischen 1439 und 1477 errichtet. Die Westfassade mit ihren beiden 80 Meter hohen Türmen und der monumentalen Fensterrose (9 Meter Durchmesser) orientiert sich an französischen Kathedralvorbildern. Zu den herausragenden Ausstattungsstücken zählen der Englische Gruß von Veit Stoß (1517-1518), ein monumentaler Rosenkranz aus Lindenholz, und das Sakramentshaus von Adam Kraft (1493-1496), das sich 20 Meter hoch in den Chorraum erhebt.

St. Sebald

Die Sebalduskirche nördlich der Pegnitz ist die ältere der beiden Hauptkirchen. Der romanische Bau aus dem 13. Jahrhundert wurde ab 1361 um einen spätgotischen Hallenchor erweitert. Das Sebaldusgrab von Peter Vischer dem Älteren und seinen Söhnen (1508-1519) ist ein Hauptwerk der deutschen Renaissanceplastik: ein bronzener Schrein, getragen von Schnecken und Delphinen, bekrönt von einem baldachinartigen Aufbau mit biblischen Figuren.

Frauenkirche

Die Frauenkirche am Hauptmarkt wurde 1352-1362 auf Veranlassung Kaiser Karls IV. errichtet — an der Stelle der 1349 im Pogrom zerstörten Synagoge. Die Hallenkirche mit ihrem markanten Giebel beherbergt das Männleinlaufen (1509), eine mechanische Kunstuhr, bei der täglich um 12 Uhr sieben Kurfürsten den Kaiser umschreiten.

Profanbauten und Stadtbefestigung

Stadtmauer und Türme

Nürnberg besitzt eine der am besten erhaltenen Stadtbefestigungen Mitteleuropas. Die letzte Ausbaustufe aus dem 15. und 16. Jahrhundert umfasst einen doppelten Mauerring von fünf Kilometern Länge mit über 80 Mauertürmen und einem bis zu 20 Meter breiten Graben. Vier der ursprünglich fünf Haupttore sind erhalten, darunter das Frauentor und das Tiergärtnertor.

Albrecht-Dürer-Haus

Das Fachwerkhaus am Tiergärtnertor war von 1509 bis zu seinem Tod 1528 Wohn- und Werkstatt des Malers und Grafikers Albrecht Dürer. Das um 1420 errichtete Gebäude ist eines der wenigen gut erhaltenen Nürnberger Bürgerhäuser aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg. Heute dient es als Museum.

Schöner Brunnen

Der 19 Meter hohe gotische Brunnen am Hauptmarkt wurde 1385-1396 errichtet. Die Pyramide aus Sandstein ist mit 40 polychromen Figuren geschmückt, die in vier Etagen angeordnet sind: Philosophen und Kirchenväter, Evangelisten und Propheten, Kurfürsten und Helden. Am schmiedeeisernen Gitter findet sich ein drehbarer Messingring — der Legende nach bringt es Glück, ihn zu drehen.

Praktische Hinweise

Die historische Altstadt Nürnbergs ist kompakt und fußläufig erschließbar. Vom Hauptbahnhof sind es wenige Gehminuten durch das Frauentor zum Hauptmarkt. Die Kaiserburg ist über steile Gassen von der Altstadt aus erreichbar. Der Aufstieg zum Sinwellturm bietet einen umfassenden Blick über die Stadt und das fränkische Umland.

Der Eintritt in die Kirchen St. Lorenz, St. Sebald und die Frauenkirche ist frei. Für die Kaiserburg einschließlich Sinwellturm, Tiefer Brunnen und Kaiserburg-Museum wird Eintritt erhoben. Aktuelle Informationen bietet die Bayerische Schlösserverwaltung.

Weiterführende Informationen

Häufige Fragen

Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Nürnberg?

Die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Nürnbergs sind die Kaiserburg, die gotischen Kirchen St. Lorenz und St. Sebald, die Frauenkirche am Hauptmarkt, das Albrecht-Dürer-Haus, der Schöne Brunnen und die mittelalterliche Stadtbefestigung mit ihren Türmen und Toren.

Warum war Nürnberg im Mittelalter so bedeutend?

Nürnberg war eine der wichtigsten Reichsstädte des Heiligen Römischen Reiches. Die Goldene Bulle von 1356 bestimmte Nürnberg als Ort des ersten Reichstags jedes neuen Königs. Die Reichskleinodien wurden hier aufbewahrt, und die Stadt entwickelte sich zu einem Zentrum von Handel, Handwerk und Kunst.

Kann man die Kaiserburg besichtigen?

Die Kaiserburg ist ganzjährig für Besucher geöffnet. Das Ticket umfasst den Palas mit der Doppelkapelle, den Sinwellturm, den Tiefen Brunnen (47 Meter) und das Kaiserburg-Museum. Der Burghof und die Burgfreiung sind frei zugänglich.