Burg Hülshoff: Geburtsort von Annette von Droste-Hülshoff

Havixbeck bei Münster, Kreis Coesfeld

Auf einen Blick

Adresse

Burg Hülshoff
Schonebeck 6
48329 Havixbeck
Kreis Coesfeld

Besichtigung

Center for Literature: Ausstellungen und Veranstaltungen.
Parkanlage: Frei zugänglich.

Lage

Geschichte

Erste Erwähnung und Frühgeschichte

Im Jahr 1349 wird Burg Hülshoff erstmals urkundlich als Sitz der Familie von Deckenbrock erwähnt. Die Anlage geht jedoch vermutlich auf einen befestigten Hof des 11. Jahrhunderts zurück, wie archäologische Befunde nahelegen. Der Name „Hülshoff" leitet sich von „Hülse" (Stechpalme) und „Hof" ab und verweist auf die ehemals dichte Bewaldung der Umgebung.

Die Lage in einer feuchten Niederung westlich von Münster bot die typischen Voraussetzungen für eine münsterländische Wasserburg. Der befestigte Hof diente als Mittelpunkt eines landwirtschaftlichen Gutes und wurde im Laufe der Jahrhunderte sukzessive zur Burganlage ausgebaut.

Übergang an die Droste zu Hülshoff

1417 erwarb die Familie Droste zu Hülshoff die Burg durch Heirat. Die Droste zu Hülshoff waren Erbmänner der Stadt Münster — ein Ehrentitel, der den führenden Patrizierfamilien vorbehalten war, die im Stadtrat vertreten waren und bestimmte städtische Ämter bekleideten. Als Erbmänner gehörten sie zur politischen und wirtschaftlichen Elite Münsters.

Die Burg blieb über 500 Jahre im Besitz der Familie und wurde zum namensgebenden Stammsitz. Über Generationen hinweg bauten die Droste zu Hülshoff die Anlage aus und passten sie den jeweiligen Erfordernissen an, ohne den Charakter einer münsterländischen Wasserburg aufzugeben.

Annette von Droste-Hülshoff

Am 10. Januar 1797 wurde auf Burg Hülshoff Anna Elisabeth Franziska Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin Droste zu Hülshoff geboren, die unter dem Namen Annette von Droste-Hülshoff zu einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichterinnen werden sollte. Ihre Novelle „Die Judenbuche" (1842) gilt als Meilenstein der realistischen Erzählliteratur, ihre Gedichtsammlungen zählen zum Kanon der deutschen Lyrik.

Annette verbrachte ihre Kindheit und Jugend auf der Burg. Die westfälische Landschaft, die Moorgebiete, die Wälder und Wasserläufe rund um Hülshoff prägten ihr literarisches Werk nachhaltig. Ihre Naturlyrik schöpft unmittelbar aus den Eindrücken der münsterländischen Umgebung. 1826 zog die Familie in das nahegelegene Rüschhaus, wo Annette weitere produktive Jahre verbrachte. Sie starb 1848 auf der Meersburg am Bodensee.

Baugeschichte

Die heutige Anlage ist eine typische münsterländische Wasserburg mit Vorburg und Hauptburg, die von Gräften umgeben sind. Die Hauptburg wurde im 16. Jahrhundert im Renaissancestil grundlegend umgebaut. Aus dieser Phase stammen die beiden markanten Ecktürme, die dem Gebäude seinen charakteristischen Umriss verleihen.

Im 18. Jahrhundert erfolgten barocke Umbauten, bei denen die Innenräume im Zeitgeschmack neu gestaltet wurden. Die Fassade erhielt ihre heutige, durch Sandsteingliederungen betonte Form. Die Gräften — die für Wasserburgen des Münsterlandes typischen breiten Wassergräben — blieben durch alle Bauphasen hindurch erhalten und bestimmen zusammen mit dem umgebenden Parkgelände das Erscheinungsbild der Anlage.

Center for Literature

2012 gründete die Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung das Center for Literature (CfL) auf Burg Hülshoff. Das CfL versteht sich als offener Ort, der Literatur, Kunst und Wissenschaft miteinander verbindet. Neben Ausstellungen, die sich mit dem Werk Annettes und zeitgenössischer Literatur befassen, finden Lesungen, Workshops und internationale Residenzprogramme für Autorinnen und Autoren statt.

Die Parkanlage rund um die Burg wurde im Rahmen des CfL-Programms zu einem Literatur- und Kunstpark umgestaltet, der Installation und Landschaftsgestaltung verbindet. Burg Hülshoff ist damit nicht nur ein historisches Baudenkmal, sondern auch ein lebendiger Kulturort von überregionaler Bedeutung.

Das Rüschhaus

Nur wenige Kilometer von Burg Hülshoff entfernt liegt das Rüschhaus, ein 1745–1749 errichtetes Barockgebäude des bedeutenden Baumeisters Johann Conrad Schlaun. Schlaun erbaute es als eigenen Landsitz und verband darin die Formensprache des Barock mit der Funktionalität eines westfälischen Bauernhauses — ein architektonisch einzigartiges Konzept.

1826 bezog die Familie Droste zu Hülshoff das Rüschhaus. Annette lebte und arbeitete hier über viele Jahre. Heute gehört das Rüschhaus ebenfalls zur Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung und bildet zusammen mit Burg Hülshoff einen zusammenhängenden Erinnerungs- und Kulturort, der dem literarischen Erbe der Dichterin gewidmet ist.

Weiterführende Informationen

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